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Dieses Ferment ist ein wahrer Klassiker. Wahrscheinlich sind fermentierte Zitronen sogar das am häufigsten fermentierte Obst weltweit, möchte ich meinen. Und das mit gutem Grund: Durch das Haltbarmachen verändern sich Geschmack und Konsistenz auf köstlichste Art und Weise. Scharfe Säure wird zu milder Frische, Bitterkeit wird dezent herb und die Schale zergeht beim Verzehr zart auf der Zunge. Nur zwei Zutaten und ein paar Minuten Zeit ist alles, was du brauchst, um selber fermentierte Zitronen herzustellen.

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Bei Salzzitronen liegt der Fokus übrigens nicht auf dem Fruchtfleisch, sondern auf der Schale und der Lake, die nach einiger Zeit gallertartig wird. Das liegt am hohen Pektingehalt, verhält sich also wie Marmelade. Weil die Schale mit verzehrt wird, ist es bei diesem Ferment besonders wichtig, dass du unbehandelte Zitronen in Bio-Qualität benutzt. Beim Salz kannst du frei entscheiden. Ich mag grobes Salz, weil mir das Füllen der Zitronen damit leichter fällt. Feines Salz würde sich schneller lösen, auch das kann gut sein. Entscheide gerne nach deiner eigenen Vorliebe.

Fermentierte Zitronen sind charakteristisch für die marokkanischen Küche

Die in Salz und ihrem eigenen Saft eingelegten Zitronen sind eine Spezialität und eine tragende Zutat der marokkanischen Landesküche, weswegen sie neben Salzzitronen auch häufig marokkanische Zitronen genannt werden. In Marokko verwendet man nur die Zutaten Salz und Zitronen. Traditionell werden keine Gewürze wie Zimt, Lorbeerblätter oder andere Kräuter benutzt. Diese Variationen entstanden, als dieses Ferment begann, sich zu verbreiten und Einzug in andere Küchen fand.

Fermentierte Zitronen

Fermentierte Zitronen

Gang: Sauce, WürzzutatKüche Mediterran, Mittlerer Osten, NordafrikanischSchwierigkeit Einfach
Portionen

40

Portionen
Zubereitungszeit

30

Minuten
Fermentationsdauer

4-8

Monate

Zubehör

  • 750 ml Bügelglas (1)

Zutaten

  • 6-7 Bio-Zitronen

  • 1 Zitrone [Saft]

  • 6-7 TL Salz [vorzugsweise grobes Steinsalz, 9-10% des Gewichtes der Zitronen]

Anleitung

  • Eine Anmerkung vorweg: Wie viele Zitronen du tatsächlich brauchst, hängt von ihrer Grösse und der Grösse deines Fermentiergefässes ab. Kaufe lieber mehr, weil sie beim Verarbeiten Volumen verlieren, als dass du zu wenig hast und dein Gefäss nicht ausgefüllt wird. Denn, wie du weisst: Fermentiert wird anaerob, der Raum zwischen Lake und Deckel sollte also möglichst gering sein!
  • Die Zitronen gründlich feucht abwischen und das Ende mit dem Stielansatz abschneiden, ohne ins Fruchtfleisch zu schneiden. Danach längs kreuzweise bis fast zum Ende einschneiden, aber nicht ganz durchschneiden. Die Viertel sollen noch zusammenhängen.
  • Jede Zitrone mit einem Teelöffel Salz füllen. Damit eine Laktofermentation stattfinden kann, darf die Gesamtsalzmenge 10% nicht überschreiten. Deswegen wiege ich das Salz vor dem weiteren Verarbeiten ab und benutze nur soviel, wie ich dann zur Verfügung habe. Zum Füllen über das Bügelglas halten, dann fällt das Salz gleich schon an die richtige Stelle, falls was daneben geht. Wenn alle Zitronen im Glas sind und noch Salz übrig ist, oben auf die Zitronen streuen.
  • Die Zitronen im Bügelglas kräftig nach unten drücken. Ich mache das mit der Hand oder einem Holzstössel. Es darf Saft austreten, und es macht auch nichts, wenn die Viertel teilweise auseinander gehen. Die letzte Zitrone pressen und den Saft dazugeben.
  • Bei diesem Ferment macht es nichts, wenn jetzt noch nicht alles von Lake bedeckt ist, der Flüssigkeitspegel steigt nämlich noch. Das Glas schließen, am nächsten Tag öffnen und die Zitronen wieder ins Glas drücken. bei Bedarf 1-2 mal wiederholen, bis die Lake über den Zitronen steht.
  • Verschliessen. Falls ein paar Zitronen auftreiben und über die Lake kucken, entweder mit einem Gewicht arbeiten, oder täglich schwenken, bis der Fermentationsprozess einsetzt. Die letztere Technik empfehle ich erfahrenen Fermentistas.
  • Zitronen bei Raumtemperatur für mindestens 42 Tage fermentieren lassen. Sie halten sich auch ausserhalb des Kühlschrankes mehrere Jahre, wenn immer mit sauberem Besteck entnommen wird.

Notizen

  • Fermentierte Zitronen bestechen durch kräftige Zitrusnoten, eine frische Salzigkeit und eine dezent herbe Komplexität. Ihren charakteristischen Geschmack erhalten sie durch die langsame Fermentation. Der traditionelle Prozess bricht die Schale und macht sie weich, ihre Bitterkeit wird abgeschwächt und ein herrlich vielschichtiger, lebendiger Geschmack entsteht.
  • Je länger sie fermentieren, desto milder und intensiver wird ihr Geschmack.

Nährwertanalyse

  • Calories: 8kcal

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Mit fermentierten Zitronen kochen

In der nordafrikanischen Küche werden fermentierte Zitronen als Gewürz für Eintöpfe und Tahine verwendet. Zum Aromatisieren von Butter, als spritzige Zutat im Cocktail oder überraschende Note zur Pasta oder im Risotto, auch ausserhalb der marokkanischen Küche gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten, weil du sowohl die Früchte, als auch die Lake benutzen kannst. Wunderbare Dressings, sämige Saucen oder Suppen bekommen mit dieser Zauberzutat einen einzigartigen Geschmack.

Vor dem Verzehr kannst du die Zitronen abgewaschen. Das Fruchtfleisch wird traditionell entfernt und die Schale in feine Streifen oder in Würfel geschnitten. Ich mag nichts wegwerfen und esse das Fruchtfleisch gerne mit. Nach einigen Monaten ist das ganze Ferment sowieso so geliert, dass man keinen störenden Unterschied zwischen Fruchtfleisch und Lake mehr feststellen kann.

15 Kommentare

  1. Das Fruchtfleisch mit Öl und Gewürzen püriert, ergibt eine wunderbare Grillmarinade für Fisch, Huhn und Schweinefleisch.
    Mit Sahne/Joghurt/ Schmand, Öl und Honig gemixt ein schön frisches Salatdressing.

  2. Ich hab die Zitronenschalen von Biozitronen immer dünn abgeschnitten und gehackt und mit Honig/Zucker eingelegt.

    Und dann fand ich es schade das man den dicken weissen Teil nicht verwertet weil der muss doch auch irgendwo gesund sein für irgendwas. Und dann hab ich einfach mal 4 ausgepresste Zitronen komplett klein geschnippelt und mit Salz in ein Glas getan.
    Lecker, gerade soviel Saft ins Glas das alles bedeckt war was nicht viel war und hab dann erst 2 Jahre später erfahren das Salzzitronen tatsächlich etwas sind das verkauft wird.

  3. Ich habe diesen fermentierte Salzzitrone auf der Reise kennengelernt. Marokkanische Rezept. Das fermentierte Fruchtfleisch wurde hauch dünn geraspelt und in den heißen Reis gemischt. Das war beinah magisch, wie schmackhaft alle Gerichte dadurch verwandelten. Der Duft!

    • Japp, kannst du machen. Dann füllst du mit Lake statt mit Limettensaft auf. Schmeckt super mit Mineralwasser als sommerliches Erfrischungsgetränk!

  4. Weshalb nicht mit Limettensaft?
    Nur mit Lake oder auch Salz in die aufgeschnittenen Limetten? Wie berechne ich dann das Salz?
    Wird das mit Lake dann auch gelig?
    Sorry, ich bin jetzt verunsichert. Über Salzlimetten finde ich nichts.

    • Du kannst auch die Limetten erstmal nur salzen und abwarten, wieviel Saft sie ziehen. Falls es nicht reicht, mit 10%iger Lake auffüllen. Ich schneide sie nicht kreuzweise ein, sondern in breite Streifen.

      Gutes Gelingen!

  5. Ich habe die Limetten jetzt in ca. 1,5 cm breite Spalten geschnitten, ich nehme an, dass Streifen so gemeint waren. Dann alles mit 10% Salz vermengt, leicht ins Glas gedrückt, Spalten sind es noch. Jetzt, nach 4 Stunden, ist die Flüssigkeitshöhe mit der Fruchthöhe gleich. Ich habe mit Glasdeckel beschwert.
    Ich werde erstmal täglich mehrfach schwenken. Die Schale ist recht dünn, wahrscheinlich ist der Ansatz mit Zitronen nicht vergleichbar. Wenn es nach 14 Tagen nicht schimmelt, werde ich es noch mit Zitronen versuchen.

  6. Liebe Katsu,
    bei mir ist eine weiße Schicht an der Oberfläche entstanden. Ich tippe ganz stark auf Kahmhefe, denn ich habe keine Gewichte verwendet und wohl zu wenig nach unten gedrückt. Von dem, was ich bisher bei dir gelesen habe, ist Kahmhefe aber nicht schädlich. Reicht es also, wenn ich die weiße Schicht so gut es geht entferne und kann dann die Zitronen ganz normal verzehren? Oder wäre es notwendig, nach dem Entfernen der weißen Schicht, erst noch Salzlake aufzugießen und nochmals fermentieren zu lassen bevor ich dann mit dem Verzehr beginne?
    Herzliche Grüße und danke im Voraus!
    Luisa

    • Hej Luisa,

      das klingt plausibel. Ohne es zu sehen, kann ich dir natürlich nicht wirklich raten, vergleiche bitte nochmal das Aussehen. Kahmhefe riecht ausserdem leicht muffig.

      Sollte es tatsächlich Kahmhefe sein, kannst du sie abnehmen. Versuche, die Zitronen danach gut unter die Lake zu drücken. Verzehren kannst du sie trotzdem schon, spül sie vorher ein bisschen ab.

      Gutes Gelingen!
      Katsu

  7. Liebe Katsu,
    mit Deinen Rezepten habe ich bisher nur allerbeste Erfahrungen gemacht, jetzt brauche ich wohl
    mal Nachhilfeunterricht.
    Am 19.Dezember habe ich Salzzitronen entsprechend Deinen Anleitungen angesetzt. Gestern
    habe ich das Glas für eine erste Kostprobe geöffnet. Die ist gallebitter! Das ist mehr als die erwar-
    tete dezente Bitternote von Biozitronen.
    Wie empfohlen, setze ich die Fermentation mindestens bis zum 19.April fort. Frage: Ist es ange-
    bracht, mit frischem Zitronensaft aufzufüllen?

    • Hej Ilse,

      etwas bitter sollen die Zitronen sein, aber gallenbitter klingt nicht gut. Hatten die Früchte sehr viel von dem weissen Teil zwischen Schale und Fruchtfleisch? Das könnte eine Erklärung sein. Ich empfehle dir, dem Ferment noch mehr Zeit zu geben, gerne auch deutlich mehr. Der Geschmack wird sich noch ändern und weniger bitter werden.

      Ich drücke die Daumen!
      Katsu

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